Hummeldumm…..

Wer Hummeldumm noch nicht gelesen hat, sollte dies nachholen. Die witzigste Lektüre über Gruppenreise und Adapter. Jedenfalls musste ich gestern einfach lachen. Ich brauche für meinen Laptop einen anderen Adapter. So bin ich gestern durch die Gegend geirrt auf der Suche nach einem Elektronik-Shop. Obwohl es Sonntag war, hatten viele Läden geöffnet. Der erste Laden wies mich weiter. Doch habe ich seine Empfehlung nicht recht verstanden, denn dort wo ich hingelaufen bin, waren nur Autohändler. Wenn ich doch nur wüsste, wie das hier mit den Bussen funktioniert……. Auf gut Glück bin ich in einen Bus gestiegen und nach Herderia gefahren. Keine Ahnung wo das ist, es tönt einfach gut 😉 Es war eine Klapperkiste! Besser als jede Achterbahn an der Herbstmesse. Gröl

In Herderia hat es dann begonnen zu regnen. Ich lauschte einem Blasmusikkonzert vor der Kirche und beobachtete die Menschen. Kurios anmutende Kleiderwahl zu mehr oder weniger Körperfülle und Alter. Ist das nicht herrlich? Diese Farbenvielfalt. Ich bewundere den Mut dieser Frauen und die Selbstsicherheit mit der sie die tiefen Ausschnitte und kurzen Röcke tragen (besonders welche Älter sind als ich, hahahaha).

Nun zurück zu meiner Adaptersuche. Nach dem sechsten Laden gab ich auf. Jeder schickte mich zum nächsten bis ich wieder am Anfang war. Ich gab auf. Hummeldumm! Ich kaufte mir ein Smirnoff Ice. Hier gibt es selten gemütliche Kaffees oder Bars. Das meiste sind Fast Food Restaurants. Ich begab mich zum Busterminal. Es ist so eine Sache mit den Bussen. Es gibt ca. 20 Busunternehmen. Jede fährt seine eigene Strecke. Es existiert kein Busfahrplan noch Streckenplan. Jede Fahrt bezahlt man direkt beim Buschauffeur, egal wie weit man fährt. Bei Langstreckenfahrten kauft man das Ticket beim Bustermianl und kann bei nächster Gelegenheit mitfahren, wenn Platz vorhanden ist. Die Fahrt und der Sitzplatz sind dann reserviert. Ich habe von Puerto Limon nach San Jose 6 Dollar gezahlt (4 Stunden Fahrt!). Das Schwierige dabei ist herauszufinden, welcher der vielen Terminals der Richtige ist. Si, pura Vida!

Hier ticken die Uhren wirklich anders. Mañana, mañana………

Wie es sich anfühlt, wenn alles im Fluss ist

Mein Abenteuer begann bereits am 26.1015 als mich Booking.com informierte, dass das gebuchte Hotel in Genua ausgebucht sei. Da wurde ich schon um einiges nervöser und schaute mir kurz das angebotene Ersatzhotel an. Ich sagte zu und keine halbe Stunde später informierte mich der Schiffsagent von Genua, dass ich mich bereits am 27.10. anstatt am 28.10.,um 19.00 Uhr auf dem Schiff begeben soll. Ich stornierte das Hotel und freundlicherweise musste ich keine Stornogebühr zahlen. Wundersam dachte ich.

Die ersten Tage waren erfüllt vom Anlegen, Container be- und entladen und wieder Ablegen. Es war spannend und sehr interessant. Ich genoss den Wind und das Wellenmeer. Am ersten Tag sah ich 2 Tümmler ganz nach am Schiff vorbei springen als wollten sie mich am Morgen begrüssen. Von Valencia bis nach Tanger wurden wir von einem heftigen Gewitter begleitet und noch grösseren Wellen. Doch schlecht wurde mir trotz des heftigen Schwankens nicht. Wir haben Tanger um 07.00 Uhr verlassen und stachen nun zur langen Überfahrt in See. Zum Abschied leuchtete ein wunderschöner Regenbogen. Allmählich braute sich ein weiteres Gewitter zusammen. Der Sturm war so heftig, dass ich nicht mehr nach draussen konnte. Die Nacht verbrachte ich mehr oder weniger wach. Das Schiff schwankte so sehr nach allen Seiten, dass ich mir das erste Mal wirklich Gedanken machte und mich eine beklemmende Angst beschlich. Ich wusste gar nicht mehr wie sich das anfühlt! Das Schiff jedoch steuerte in einen sonnen erfüllten und ruhigen Morgen.

Meine täglichen Yogalektionen werden durch das Schwanken ziemlich erschwert. Dies fördert jedoch meinen Gleichgewichtssinn um ein Vielfaches 😉 Von den 9 Büchern habe ich bereits 3 gelesen. Es gibt viel Zeit zum Nachdenken, Philosophieren und sinnieren. Bald wurde mir bewusst, wie unruhig mein inneres Ich eigentlich ist. Ich schleppe meine ganze Vergangenheit hinter mir her wie das Schiff seine breite Spur im Meer hinterlässt. Ich begann alles aufzuschreiben, was ich an Lasten mit mir schleppe. Es war erstaunlich viel…. Von einigen Dingen dachte ich mir, es sei vorüber – abgeschlossen. Und Ping! Ist es wieder voll da mit seinem ganzen Schmerz. Nun ist es Zeit, alles dem Nordatlantik zu übergeben. Das Meer ist hier teilweise 5400 Meter tief! Ich habe alle Papierschnipsel meiner Liste auf einen Faden aufgezogen und mit einem Knopf zusammen gebunden.

Die Vergangenheit gehört zu Dir, jedoch kannst Du selbst entscheiden, ob du weiterhin darunter leiden willst. Ich möchte nicht mehr leiden und alte Lasten tragen, sondern meiner Lebensfreude und dem inneren Frieden Platz machen. Es lohnt sich die Lebensenergie statt für das Leiden für die Freude einzusetzen. Das Leben ist ein Geschenk! Ich musste 44 werden, bist ich das wirklich begriffen habe.

Mitten im Atlantik, 05.11.15DSCN0063 DSCN0067 DSCN0083 DSCN0099 DSCN0152 DSCN0163 DSCN0187 DSCN0202 DSCN0263 DSCN0253 DSCN0220