Bogotà

Bogotà

Von der schönen Karibik zurück in das kühle Bogotà. Erstaunlicherweise ist es trotz der Höhe (ca. 2550 m.ü.M) mild mit 15 Grad. Mein Hotel liegt in einem schönen und ruhigen Quartier, nähe eines Messegeländes. Der Fussmarsch zum Bus beträgt nur 10 Minuten und dort fährt er direkt ins Zentrum Richtung Germania, Los Aguas. Die Strassen sind in einem so schlechten Zustand, dass ich teils aufstehen musste, weil die Schläge derart heftig waren, dass ich Schmerzen im Rücken bekam. Transmilenio heisst die vor 10 Jahren errichtete Busstrecke mit dreiteiligen Bussen, welche die 4 verschiedenen Richtungen der Stadt verbindet. Doch werden die Stimmen immer lauter nach einer Metro, wie sie Medellin besitzt. Das Verkehrsaufkommen ist immens und die Strassen überall verstopft.

Am Montag waren alle Museen geschlossen bis auf das von Botero. Am Sonntag sind jeweils alle Museen gratis! Das sollte bei uns auch eingeführt werden…. Eine Strasse ist völlig verkehrsfrei, ausser Fahrräder. Bogotà hat mit 135 Kilometern das grösste Fahrradverkehrsnetz von ganz Kolumbien. Ich schlenderte zum Plaza Bolivar. Dem grössten und berühmtestens Platz. Dort steht die älteste Kirche, der neue Justizpalast, das Ministerium und ein Denkmal. Sicher 1000 Tauben belegen den Platz. Ein Rollstuhlfahrer erklärte mir die Gebäude und die Bedeutungen sowie den Ort, wo sich das Touristenoffice befindet um einen Stadtplan zu erhaschen. Natürlich waren die Infos nicht ganz gratis 😉 egal. Wir haben uns noch 2 mal gesehen und uns zugewinkt. So spazierte ich mit der Karte umher und besuchte die Paläste, welche zugänglich waren. Jedoch wurde meine Tasche mehrmals durch Polizisten kontrolliert, sobald ich mich dem Regierungsgebäude oder Präsidentenpalast näherte. Ich besuchte die diversen Kirchen. Einige waren fast ganz aus Holz, einige mit viel Gold verzierten Altaren. Ich geniesse jeweils die Ruhe und den stillen Moment. Zeit zum innehalten und Gespräche mit Gott zu führen. Danach entdeckte ich Juan Valdez Kaffee-Shop mit Gartensitzplätzen. Wie meistens,  genoss ich einen Cappuchino und konnte mit dem kostenlosen WIFI die neuesten Nachrichten runterladen und mich mit der Welt verbinden. Ganz in der Nähe entdeckte ich das Botero Museum, welchses immer gratis ist, weil das die Bedingung bei der Schenkung von 146 Skulpturen und Gemälden durch Botero war. Das Museum ist riesig und beherbergt auch alte und neue Kunst sowie die ganze Enstehungsgeschichte des Geldes (Münzen) in Kolumbien. Inkl. den alten Münzpressmaschinen. Irgendwann taten mir die Füsse weh und ich hatte Hunger. So spazierte ich weiter durch die Calenderia (Altstadt). Irgendwann fiel mein Blick auf eine Tafel mit dem Tagesmenü für 8’000 Pesos (2.80) Beinhaltet eine Suppe, Poulet oder Rindsfleisch, Reis, Pommes (papitas franceses), Salat und einen frischen Fruchtsaft. Das probiere ich doch mal aus. Das Interieur war dunkel und glich einem französischen Bistro. Die Gemüsesuppe schmeckte köstlich  sowie der Rest auch. Ich war positiv überrascht und konnte es kaum glauben. Frisch gestärkt, gings weiter durch die Calenderia Richtung Cerro Monserrate. Ein Berg auf  3152 Meter. Erreichbar mit der Gondelbahn oder der Standseilbahn (die fährt jedoch nur am Morgen). Auf dem Berg steht eine riesige weisse Kirche von 1920, diverse Souvernishops, der Kreuzigungsweg und 2 Restaurants. Überall sind blühende Bäume und Blumen zu sehen. Ein wunderschöne gepflegte Gartenanlage. Der Blick über die ganze Stadt ist atemberaubend! Es gibt auch einen wunderschönen Wanderweg, der jedoch wegen vielen Raubüberfällen geschlossen ist. Wieder zurück in der Stadt, suchte ich nach einem Coiffuregeschäft, welches auch gleich noch Manicure anbietet, da meine Nägel schrecklich aussahen. 2 Stunden später hatte ich neu lackierte Fingernägel (für umgerechnet 2.50) und neue Haarfarbe. Ich kaufte mir noch ein Subway-Sandwich und machte mich auf den Heimweg.

Am nächsten Tag verabredete ich mich mit Boris. Ein Couchsurfer aus Chile. Wir besichtigten das wunderschöne Goldmuseum und assen am selben Ort wieder herrlich zu Mittag. Danach gingen wir wieder getrennte Wege. Ich wollte noch unbedingt das Theatro Colon besichtigen und bin fast die ganze Calle 10 und 11 entlang spaziert. Wunderschöne alte, restaurierte Häuser waren zu entdecken. Lustig finde ich jedoch, dass in allen grösseren Städten die Läden nach Themen aufgeteilt sind. In einer Strasse gibt es nur Läden, welche Drucksachen herstellen, eine die nur elektrisches Zubehör verkauft, eine welche nur Läden mit korregierten Brillen beherbergt usw. Ich habe noch etwas Shopping in der Fussgängerzone betrieben und bin dann ins grosse Einkaufszentrum marschiert (ca. 20 Minuten). Mir fehlte immer noch eine neue Sonnenbrille, da die alte verkratzt und verbogen ist. Habe jedoch keine gefunden. Dafür 2 Unterhosen – welche ich ersetzten musste, weil die auch in der verschwundenen Tasche waren. Der Tag war doch sehr erfolgreich verlaufen. Habe ich doch endlich ein neues Bikini gefunden, ein neues T-Shirt und ein Trägershirt. Happy Day!

Der dritte Tag schrieb ich zuerst den Blog fertig, da ich am Abend meist zu müde war. So bin ich kurz vor 12 im Zentrum angekommen und trank zuerst einen feinen Cappuchino. Danach gemütlich zu meinem Lieblingsrestaurant geschlendert und ein letztes Mal ein feines Mittagessen genossen. Ich besuchte das Esmeralda-Museum (Smaragd) und streifte gemütlich durch die Souvernirshops. Auf dem nach Hauseweg habe ich in einem Kleiderladen plötzlich Sonnenbrillen entdeckt. Die erste die ich in den Händen hielt, passte perfekt. So ein Zufall 😉 Glücklich genoss ich einen Fernsehabend mit einer kleinen Flasche chilenischem Rotwein (GatoNegro)  mhhh….

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San Andres und Providencia

San Andres und Providencia

Der Flug von Bogota dauert in etwa 1.45 Stunden. Mit Avianca ein angenehmes Reisen. Wie immer am Flughafen, stehen die Taxifahrer wie Hyänen da und feilschen um jeden Fahrgast. Der erste Eindruck von Hostel Villa Sarie Bay war ernüchternd und die gewohnte Freundlichkeit der Menschen abhanden gekommen. Zum Glück hatte ich im 10er Schlag ein Bett unten erhaschen können. Oben zu schlafen ist immer etwas komplizierter. Das Dorm war neu gebaut und mit zwei Badezimmer ausgestattet. Der ganze Bauschutt lag verteilt hinter und neben dem Dorm. Nicht sehr ansehnlich und gemütlich. Die nächsten vier Tage waren geprägt von orkanartigem Wind und Regen. Nicht unbedingt Paradieswetter. So blieb Zeit zum shoppen, Kaffee trinken bei Juan Valdez (wie Starbucks) oder mit dem Bus zu fahren. Ich besuchte die Cave von dem Pirat Morgan, welcher dort angeblich seine Schätze versteckte, die er erbeutet hatte. Lustig ist ja, dass ich auf dem Containerschiff ein Buch gelesen habe von einer Frau, welche auf Schatzsuche war und vom Piratenkapitän Morgan gefangen genommen wurde. Sonst hätte ich womöglich nicht mal gewusst, wer er war…. Den Bus zurück ging über die Insel wieder nach San Andres dem Haupttouristenort. Viele „Bruchbuden“ sind zu sehen und auch einige schöne Häuser. Ich frage mich dann immer, wie können Menschen unter diesen Umständen leben? Für sie ist es wahrscheinlich normal und sie kennen nichts anderes. Wie schön wir es doch zu Hause haben. In wieviel Luxus wir leben! In Kolumbien ist die Armut gross und unübersehbar.

Die letzten 3 Tage verbrachte ich am Strand und lies die Seele baumeln, malte Mandals, gönnte mir ab und zu einen Cocktail oder ein Smirnoff ICE. Ich freute mich auf die Insel Providencia, wo ich in einer Posada (Gästehaus der Einheimischen) ein Zimmer gebucht habe. Leider klappte das mit der Rückkehr nicht und ich muss bereits am Donnerstag mit dem Katamaran zurück. Im Dorm war ein Mann, der schnarchte unablässig und so laut, dass ich kaum ein Auge zu bekam (trotz Ohrstöpsel). Die Überfahrt mit 3 Meter hohen Wellen war ein Abenteuer, welches viele der Fahrgäste zu Kotztütchen zwang, obwohl sie vorher jedem Fahrgast eine Tablette gaben. Mir macht das nichts aus. Ich war glücklich und happy. Nach knapp vier Stunden erreichten wir den Hafen. Wieder Gepäckkontrolle durch die Polizei. Da kam ein Mann auf mich zu und fragte wie die Überfahrt war und wo ich übernachte. Ich zögerte zuerst und dachte mir, was ist das denn für eine Masche? Wie sich herausstellte war es Hippie persönlich um mich abzuholen. Wow dachte ich, was für ein Service. Mit dem Motorrad (samt Gepäck) ging es dann zu meiner Unterkunft. Leider etwas weit weg vom Meer, jedoch wunderschön ruhig gelegen. Ich hatte ein ganzes Haus mit Garten und Veranda für mich alleine!! Wie geil ist das denn??

Ich genoss den Sonntag im Garten und in der Hängematte. Am nächsten Tag durfte ich mit Hippie einkaufen, da in der Nähe nur ein kleiner Laden ist mit einem sehr geringen Angebot. Endlich frühstücken. Dann gings weiter mit dem Boot rund um die Insel. Der Nationalpark mit Crap Cap war der Höhepunkt. Die verschiedenen türkisfarben im Meer waren atemberaubend. Wir durften einmal um die Insel Schnorcheln. Viele der Korallenriffe sind kaputt. Daher war das Angebot der Fische nicht riesig. Doch ich konnte ca. 20 verschiedene Arten beobachten. Ich werde jedoch nie den Anblick in Sharm el Sheik vergessen, wo Stephan und ich schnorcheln waren im 2011. Das war der schönste Anblick, den ich je hatte.

Weiter ging es zum Naturschutzpark für die Fregattenvögel. Eine kleine Insel mit vielen Nistplätzen. Weiter zur Manzanila-Beach und dann zur Southend Beach, wo wir zu Mittag assen direkt am Strand. Durch den Sturm hat sich sehr viel Seegras angehäuft und die Wellen waren tiefschwarz gefäbt. Wenig einladend zum baden. Ich ging dem Strand entlang spazieren und entdeckte in den Mangroven rot-pinkiges Wasser. Es war ein seltsamer Anblick. Der Guide erklärte mir das die Pflanzen eine Substanz abgeben und sich deshalb die Erde rot färbte. Weiter ging es zur Freshwaterbay. Zurück zur Town mit dem Mototaxi. Ich wollte noch auf die Insel Santa Catalina welche mit der Liebesbrücke mit Providencia verbunden ist. Dort gibt es die Morgan Cave mit Schnorchelbeach. Dort habe ich 2 grosse Seesterne entdeckt. Einen Rot und einen Gelb. Wunderschön! Weiter zu Fuss bis zum Endpunkt, dem Morgan Head (siehe Bilder) Nach Hause bin ich zu Fuss, da ich noch den Sonnenuntergang sehen wollte (nochmals 20 Minuten). Müde und glücklich schlief ich bald ein.

Der nächste Tag begann etwas schwierig. Ich wartete mehr als 2 Stunden auf den Bus, der nie kam. Eine nette Frau organisierte mir ein Mototaxi. Der Junge erklärte mir, dass er mich auf den Peack (höchster Punkt der Insel) begleiten und wieder zurück bringen würde für 40’000 Pesos (12 Franken!!). Na dann… los gehts. Es war eine gute stündige Wanderung mit ca. 500 Höhenmetern durch einen wunderschönen Wald mit riesen Felsbrocken. Ich war schon in der Hälfte schweissgebadet. Mein Begleiter kletterte auf einen Mangobaum um mir die fantastisch schmeckenden Mango runter zu holen. Herrlich so frisch ab dem Baum. So liess sich der Rest des Weges „fast“ mühelos bewältigen. Und da war er – der höchste Punkt! Wow die grandiose 360° rundum Sicht. Leider war es bewölkt und die Farben des Meeres waren nicht so klar zu erkennen. Ich genoss die Aussicht und ass die restlichen, köstlichen Mangos. Zurück ging es denselben Weg. Mit dem Mototaxi zurück zur Town, wo ich schon wieder Geld benötigte, da ich die Unterkunft bar bezahlen musste. Ich möchte nicht wissen, wieviel Geld ich aufwenden muss bis zum Ende der Reise für Gebühren der Banken!!!

Zurück in San Andres wollte ich meine deponiertes Gepäck abholen. Doch da war nichts mehr! Ich habe mich sehr genervt. Waren doch einige sehr wichtige Kleider dabei, die ich brauche. Ohne mein restliches Gepäck fuhr mich das Taxi in die Posada Marthas Place. Die Umgebung war nicht gerade sehr einladend. Ich war enttäuscht und zusätzlich genervt weil das Internet in der Unterkunft nicht funktionierte. Ein Chilene, der auch ein Zimmer dort hatte, bot mir ein Glas Rotwein an und ich beruhigte mich allmählich. Schlussendlich nach langem hin und her, habe ich 3 Tage später mein Kleider wieder zurück bekommen. Doch fehlten jegliche andere Sachen wie z.B. mein Flugticket nach Panama.

Mit Verlust muss man rechnen auf einer Reise 🙂 Ich habe mit einem Mototaxi die ganze Insel entdeckt. Ramirez hat mir alle Sehenswürdigkeiten gezeigt und mich dann beim Bootshafen abgesetzt. Ich wollte unbedingt noch das Aquarium sehen, das sich rund um eine kleine Insel zieht. Mit einem kleinen Boot kommt man in ein paar Minuten dahin. Viele Leute tummelten sich auf den paar Quadratmetern. Ich war etwas enttäuscht, da nicht sehr viele Fische zu sehen waren. Die Strömung war so stark, dass ich mit dem Knie voll auf einen Stein gefallen bin. Darauf hin gönnte ich mir 2 Poco Loco und hatte es lustig mit einer Familie aus Bogota und dem Barkeeper. So ging der letzte Tag entspannt zu Ende! Am Sonntag heisst es Abschied nehmen und Flug zurück nach Bogotà.

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Sogamoso, Boyacà

Sogamoso, Boyacà

Von Doradal gehts weiter mit dem Bus nach Bogota. Leider gab es keinen früheren Bus als um 11.00 Uhr. Sollte trotzdem reichen um bis nach Sogamoso zu kommen. Insgesamt 8 Stunden Fahrt. Aber oh je…. eine halbe Stunde nach Doradal war der Bus kaputt und wir im nirgendwo! Kurze Hektik, danach ein paar Telefone und kurze Information. Natürlich kein Wort verstanden. Eine Frau hat mir auf Englisch erklärt, dass wir nun hier ca. 3 Stunden auf einen Ersatzbus warten müssen, bei 35 Grad eine ziemliche Herausforderung. Mich beschlichen schon ernsthafte Befürchtungen, dass ich erst spät in Sogamoso ankommen werde….

Und es hat sich bewahrheitet. Es vergingen 4 Stunden bis wir endlich weiterfahren konnten. Um halb zehn waren wir am Busterminal in Bogota. Ich hatte gerade noch genug Zeit zum WC zu gehen, bevor es weiter ging. Um 2.00 Uhr nachts war ich dann in Sogamoso. Ich versuchte die Finca zu erreichen, wo ich die nächsten Wochen arbeiten wollte. Doch es wollte einfach nicht klappen. So bin ich mit dem Taxi vor verschlossener Tür gestanden. Habe dann 2 mal geklingelt. Die Türe wurde geöffnet. Der Mann wusste nichts von meiner Ankunft, bat mich jedoch herein und gab mir nach längerem Überlegen ein Bett in einem Dorm. Ich schlich mich herein und ging sofort ins Bett. Am nächsten Morgen half ich in der Küche Frühstück machen. Die beiden Hausangestellten sind sehr nett und sympathisch. Plötzlich fegte der Yogilehrer (anscheinend der Chef des Hauses) in die Küche und schrie mich an, was mir einfiele mitten in der Nacht hierher zu kommen und zu läuten wie blöd. Er sei auf meine Hilfe nicht angewiesen. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es nicht meine Schuld war und ich mich schon ein paar Mal entschuldigt habe. Er wollte gar nicht zuhören. Na gut, dann eben nicht. Mit einem solchen agressiven und launischen Menschen möchte ich auch gar nicht länger zusammen arbeiten. Das habe ich bereits hinter mir! Nach einer Weile kommt er auf mich zu und fragt ob ich Lust hätte, bei einem Bauer zu helfen. Er komme in der nächsten halbe Stunde vorbei und ich könne mit ihm reden und mitgehen oder nicht. Was hab ich zu verlieren?

Der Mann mit langem Haar war ein sehr ruhiger und liebevoller Mensch. Wir waren uns schnell einig. Gerne würde ich dieses Experiment mitmachen ohne zu Ahnen, was auf mich zukommt. Er holte mich 2 Stunden später ab. Wir fuhren mit seinem Cheep und einem seiner Söhne, Ehefrau und Enkelkind in die Höhe auf unbefestigter Strasse. Manchmal war es so steil und uneben, dass ich fast befürchtete, stecken zu bleiben. Es ging höher und höher. Ca. auf 3000 m.ü.Meer stiegen wir aus. Mit gesamten Gepäck ging es steil einen Weg hinunter. Bei einer Lehmhütte erwarteten mich Alejandro und Catalina (der andere Sohn). Da war ich nun im niergendwo, ohne Strom und Badezimmer. Dafür eine unbeschreibliche Stille und Ruhe. Die Natur und wir! Spannende Tage standen mir bevor. Schlafen durfte ich in einem Rustico, 5 Gehminuten von ihrem Zuhause entfernt. Sie trugen extra für mich eine Matraze, Kissen, Schlafsäcke und Decken dahin. Zum Glück hatte es dort schon ein fest installiertes Moskitonetz und zu meinem Erstaunen eine kleine Solaranlage zum Aufladen des Handys! Wow…

Sobald die Sonne unterging wurde es bitterkalt. Da die Küche offen war, blieb die Wärme des Feuers nicht und der kahlte Nachtwind blies durch mich hindurch. Mit Kappe und zwei dicken Jacken sass ich da und fror. Die Hütte war ein bisschen wärmer und so sassen wir abends da, rauchten eine Zigarre und kauten Kokoapflanzen, was dem Ritual für das Männliche sowie dem Weiblichen diente. Ausserdem vertrieb der Rauch die Moskitos, die unablässig mein Blut saugen wollten. Trotz starken Spray hielt sie nichts davon ab, mich zu stechen. Am schlimmsten traf es mich auf dem Ecoklo. Bis ich mein Geschäft erledigt hatte, haben mich sicher 10 Moskitos an meinem Hinter gebissen ;-). So schön kann Natur sein…. hahahaha

Nach einer sehr kalten Nacht, kam der Weckruf für den Kaffee ca. um 07.00 Uhr. Es war bereits Tag und ich erleichterte mich zuerst in der Natur, putzte mir die Zähne und nahm, wie jeden morgen, einen Teelöffel voll Chiasamen zu mir. Dann wechselte ich die Kleider und zog mir wieder die Arbeitskleidung an. Danach machte ich mich auf den Weg zur Hütte. Raureif gegegnete mir und es war immer noch sehr frisch. Bald wird die Sonne über dem Berg aufgehen! Welche Wonne!! Wir genossen den Kaffee, den ich von der Kaffeetour gekauft habe. Hier wird Kaffee mit viel Palmzucker getrunken, was sehr gut schmeckt. Ich hatte noch ein paar Päckchen Milchpulver dabei, welche ich in einem Hotel „mitgehen“ lies. Da sie keine Kuh besassen, hatten sie auch keine Milch. Danach machten wir uns auf den Weg zu den Nachbarn, welche ca. 150 Höhenmeter weiter oben leben. Zuerst wurden wir in die Küche beordert um eine Kartoffelsuppe (halbe Kartoffeln gekocht in etwas gesalzenen Wasser) zu essen. Um 09.00 Uhr etwas fremd für mich, jedoch war ich um etwas Warmes froh.

Nun ging es aufs Kartoffelfeld. Alejandro und der Nachbar, hackten die Kartoffeln aus und wir sortierten die Kartoffeln nach Grösse und Qualität. Die Arbeit am Boden war beschwerlich und ungewohnt für mich. Mit der Zeit meldeten sich jegliche Knochen und Muskeln 😉 Bürogummi halt….. Nach ca. 4 Stunden assen wir nochmals Kartoffeln mit Reis und Bohnen (weisse). Danach  verabschiedeten wir uns und kehrten zum Quinoa-Platz zurück um die getrockneten Ären des Quinoa mit stecken zu dreschen. Ich hatte schon Blasen an den Händen vom Vortag. Ich liess mir nichts anmerken, verfluchte mich jedoch, da ich die Pflaster vergessen hatte. Spuren der Arbeit, hat mal jemand zu mir gesagt. Nachdem wir die gröbsten Stiele entfernt hatten, begann Alejandro mit dem sieben der Körner. Eigentlich bräuchten sie noch ein feineres Sieb, um die rötlichen Hülsen und kleinen Stiele von den Körner zu trennen. Wir versuchten mit einem Becken die Körner von oben nach unten rieseln zu lassen, während der Wind die Hülsen fortweht. Was leider sehr schwierig war, da der Wind nicht immer blies und nicht immer von der gleichen Seite und nicht immer in derselben Stärke. Wir haben unser Bestes gegeben, doch da war immer noch viel zu viel Überreste drin. Wir packten zusammen, da die Sonne schon langsam am untergehen war und wir todmüde von einem anstrengenden Tag waren. Kurz unter die kalte Freiluftdusche und schnell frische Kleider anziehen. Wir haben dann eine Haferflockenschokolade mit Zimt gekocht. Gar nicht mal so übel, doch mit Milch, würde es wohl noch besser schmecken 😉 Um 20.00 Uhr zogen wir uns zurück. Diese Nacht werde ich mir meine Faserpelzjacke anziehen um sicher warm genug zu haben. Es hat funktioniert! Ich habe Catalina das Jodeln beigebracht. So kann sie mich am morgen für den Kaffee rufen….. Das hat Ihnen besonders gefallen und zu vielem Gelächter geführt. Überhaupt waren sie sehr an meiner Kultur interssiert. Ich habe Ihnen gezeigt wie man Rösti macht oder gebratene Kartoffeln mit Käse überbacken. Einmal habe ich Penne cinqueP gemacht mit Zwiebeln, Karotten, Knoblauch und Champinions. Das hat Ihnen besonders geschmeckt und mir auch! Es war nicht immer einfach auf einer Feuerstelle zu kochen. Einmal hat Catelina frische Arepa (Maisfladen) gemacht und den Käse kurz angebraten und drauf gelegt. Das war wirklich köstlich. Die Arepas die ich vorher gegessen habe, waren abscheulich. So war ich überrascht wie gut diese schmeckten.

Es gäbe noch so vieles zu erzählen. Ich bin tief beeindruckt von dem einfachen und harmonischen Leben dieses jungen Ehepaares. Sie leben mit dem Rythmus der Natur und tragen Sorge zu den Ressourcen. Sie haben mehr als 40 neue Bäume und Sträucher gepflanzt um den Wald wieder aufzuforsten. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Ich könnte jedoch nicht immer so leben. Vorallem litt mein Rücken extrem, da es keine Stühle oder Sitzgelegenheiten gab. Ich hätte 100 Ideen, was ich alles aus Holz basteln würde, um es mir bequemer zu machen. Die Hunde und der Muli Cuitiva sind mir ans Herz gewachsen und ich werde mich gerne an diese Zeit zurück erinnern! Eine aussergewöhnliche berührende Erfahrung.

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Rio Claro – Doradal

Rio Claro – Doradal

Meine Planung zum Rio Claro ging voll in die Hose….. Ich habe mich so auf das aussergewöhnliche Hotel in Jardin gefreut, dass am Rio Claro liegt. Jedoch liegt Jardin nicht auf dem Weg nach Bogota und auch nicht zum Refugio Park Rio Claro. Auf dem Busbahnhof wurde mir dass dann klar, als ich das Ticket kaufen wollte. Na ja, die Stornierung des Hotels hat zum Glück nichts gekostet. Eine neue Unterkunkt in der Nähe des Parkes habe ich dann schnell gefunden. Im Park selbst wollte ich nicht übernachten, da es ganz schlechte Kritiken bekommt. Auf zu neuen Ufern!

Die Busfahrt war angenehm, wenn auch immer etwas unterkühlt durch die Klimaanlage. Es empfiehlt sich, immer eine Decke oder warme Jacke in den Bus zu nehmen. Der Bus hielt direkt vor dem Hotel. Das ist das Schöne in Kolumbien – Halten auf Verlangen überall. Keine offiziellen Bushaltestellen, ausser die Terminals.

Das Hotel verfügt zwar auch nicht über sehr gute Kritiken, war aber das Einzige noch verfügbare. Die Inhaberin des Hotels ist eine sehr charmante und hilfsbereite Person, was man von den zwei jungen Angestellten nicht gerade behaupten kann. Ich habe der Einen meinen Pass gegeben für die Registrierung und sie fragt mich, aus welchem Land ich komme?! Hahaha…. Erstaunlicherweise darf man dort nur mit Badekappe in den Pool 🙂 Freundlicherweise verkaufen sie die sogar! Mir war trotzdem nicht zum Baden zu mute. Kämpfe ich mit Fussgelenkschmerzen. Den linke Fuss kann ich kaum noch abrollen, als hätte ich Bänder gezerrt. Der Fuss ist jedoch nicht geschwollen. Die ganze Familie, welche im Hotel auf Besuch war, wollte mir helfen. Mit Schmerzmittel und Eis auflegen, werde ich wohl über die Runden kommen. Jedenfalls werde ich trotz der Schmerzen in den Park gehen.

Am Morgen holt mich ein Tuc Tuc oder wie man hier sagt „Moto ratón“ vom Hotel ab und bringt mich die ca. 20 Kilometer bis zum Eingang des Parks. Eine halbe Stunde Fussmarsch bis zum Restaurant und den angebotenen Aktivitäten wie Rafting, Höhlendurchquerung und Canopy. Ich beschloss auf alles zu verzichten und den Weg bis zum Ende zu wandern. Der Rio Claro bot wirklich viele verschiedenen Farben und Wannen zum Baden, ja sogar eine Sprungrampe von 8 Meter Höhe gab es. Immer wieder war der Weg von Stalaktiten und Stalakmiten gesäumt. Links und rechts steigen steile Felswände empor, welche Niestplätze für diverse Vogelarten bieten. Irgendwand, als der Weg mehr Kletterei als Weg war, kam eine wundervolle Sandbank und menschenleer. Hier werde ich mich ins Wasser stürzen! Es dauerte nicht lange, kamen weitere Leute und ich war eigentlich froh, da mir bei der Strömung des Flusses nicht ganz geheuer war. Es stellte sich jedoch heraus, dass meine Ängste unbegründet waren. Man kann sich getrost treiben lassen und am Rande wieder zurück schwimmen.

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Chocolate-Tour und letzte Tage Medellin

Chocolate-Tour und letzte Tage Medellin

Den letzten Sonntag nutzte ich für eine Tagestour zu einer Cacaofarm in San Francisco de Antioquia. Eine 2 Stundenbusfahrt durch bergige Landschaft, herrlich. Wir landeten bei einer sehr einfach lebenden Familie. Zur Begrüssung gab es natürlich heisse Schokoladel (mit Wasser nicht mit Milch) oder Limonade. Der Bauer erzählte uns seine Geschichte wie er zum Kakaobauern wurde. Vor zehn Jahren war das Gebiet übersät mit Guerillia und Kokainpflanzen. Als die Regierung alles geräumt hatte, begann man mit der Übersiedelung hunderter Familien von einem Kriegsgebiet, ca. 3 Stunden vom jetztigen Zuhause entfernt. Die Kokainanbauer flüchteten in die Stadt. Anfangs gab es viel Streit in der Familie und Unzufriedenheit ob der Willkür der Regierung. Inzwischen jedoch nach 10 Jahren sind alle glücklich und zufrieden, hier ein neues Einkommen zu haben. Die Kakaofrucht ist riesig und die frische Kakaobohne schmeckt süss-säuerlich nach Getreide. Ein Ranger der Regierung, hilft den ansässigen Bauern das Wissen über den Anbau, Vermehrung und Steigerung zu erweitern. Auch um eine Monokultur zu verhindern, pflanzen sie dazwischen verschiedene fruchttragende Bäume wie z.B. Kochbananen, Mango, Papaya, Tomate de arabol (Baumtomate). Auch halten Sie 3 Becken mit Fischen für den Verkauf und Eigenverzehr. Wir lernten viel über das zweien der Bäume, das Pflücken, trocknen und rösten der Kakaobohnen. Viel harte Arbeit mit den primitivsten Hilfsmitteln. Ich bin nun stolzer Besitzer von 500gr 100% Kakao. Mhhh schmeckt einfach himmlisch.

Ganz spontan habe ich mich zur Grafiti-Tour angemeldet. Vorher dachte ich, dass mir Grafiti eigentlich nicht so gefallen. Aber irgendetwas flüsterte mir ins Ohr, dass es wichtig ist, dahin zu gehen. So brachen wir am Nachmittag auf zu dem berüchtigten Commune 13. Das schlimmste und gefährlichste Viertel der Stadt. Der Führer erzählte uns die Story wie es zum Wandel in der Commune kam. An einem 20. Juli kam einmal mehr das Militär mit einem Grossaufgebot um den Banden den Krieg zu erklären. Dabei starben 2 Kleinkinder. Eine ältere Frau hatte den Mut im Gewirr auf die Strasse zu gehen mit einem weissen Tuch und lauthals geschrien, Sie hätte genug vom Krieg und Töten. Plötzlich erhoben sich andere Bewohner der Commune 13 mit einem weissen Tuch und gingen auf die Strasse oder hielten die Tücher aus dem Fenster. Das war der Tag des Wandels und Veränderung. Die Commune unterhält für die Jugend ein Begegnungshaus mit Musikkeller und Studio für Rap, Hip Hop und Grafitimalerei. Die unentgeltlichen Betreuer/Innen lernen die Jungerwachsenen die Werte von Liebe, Respekt und Gewaltlosigkeit. Auch die Grafitis und Musik enthalten keine agressiven Motive oder Gewaltbotschaften. So hat sich die Commune 13 gewandelt und die Banden vertrieben.

Wir waren auf dem Weg zur millionenschweren Rolltreppe als eine ältere Frau die Strasse entlang lief und unser Grüppchen von Touris wahrnahm. Sie kam näher und lächelte uns an und sagte: „Herzlich willkommen in der Commune 13, schön dass Sie uns besuchen“. Das war so herzberührend….. und wirklich auch ernst gemeint. Alle die wollten, durften eine Wand besprayen. Ich habe Berge und Edelwiss gesprayt. Gar nicht so einfach ;-<) Nun sind wir ein Teil der Commune 13 und irgendwie bin ich stolz darauf. Zeigt es doch auf, was alles möglich ist und wieviel Frieden und Liebe den Menschen bringen kann. Es war wirklich ein sehr bereichernder Nachmittag!

Die Zeit vergeht auch in einer Grosstadt wie Medellin sehr schnell. Bald ist der Monat vorbei und die drei Wochen Spanischunterricht. Es war eine tolle Zeit mit vielen bereicherden Begegnungen. Die kurze Krise hat mich wieder einen grossen Schritt zu mir selber gebracht. Fühlte ich mich doch eine Zeitlang unbeliebt und einsam, war es der richtige Spiegel der mir wieder mal voll ins Gesicht spuckte! Gott sei dank habe ich so wundervolle Menschen, die mir immer wieder dabei helfen, diese „kleinen“ Krisen zu überstehen. Danke Martina von ganzem Herzen! Deine Worte und deine Liebe haben mich wieder auf den rechten Pfad gebracht. Von nun an waren wieder ganz viele liebevolle und spontane Momente möglich. Der Abschied fiel mir irgendwie schwer und doch leicht, da wieder Neues und spannendes auf mich wartet.

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